Lebenslauf von Georg Kresse

Die Lebensgeschichte von Georg Kresse ist nur bruchstückhaft überliefert und beschränkt sich vor allem auf die wesentlichen Lebensereignisse (Taufe, Hochzeit, Tod). Dazu ist es nicht immer ganz einfach, die Sagengestalt Georg Kresse von der tatsächlichen Person zu trennen und generell werfen die noch vorhandenen Dokumente einige Frage auf.

1604

Geburt von Georg Kresse

Das genaue Geburtsdatum von Georg Kresse ist nicht bekannt, könnte jedoch nach dem damaligen Brauch der Namensgebung um den Georgstag (23. April) gelegen haben. Im Taufregister der Döhlener Kirche findet sich zumindest ein Eintrag (11), der das Geburtsjahr belegt. Sein Vater war Georg Kresse (geboren am 7. März 1575, gest. 1646) und seine Mutter Katharina1. Wichtige Daten fehlen in diesem Eintrag aber. So ist kein Tag der Geburt oder Taufe vermerkt und auch die Taufpaten werden nicht erwähnt. Es wirkt eher wie eine nachträglich angefertigte Liste der Geburten in diesem Jahr.

23. Mai 1618

Beginn des Dreißigjährigen Krieges

Am Anfang des Dreißigjährigen Krieges sind die Ländereien im Vogtland kaum betroffen, aber bereits nach wenigen Jahren gibt es immer mehr Durchzüge von Truppen und Einquartierungen in den Städten und Dörfern. Wir wissen nicht genau, wann Georg Kresse sich radikalisiert hat, aber vermutlich zwischen 1620 und 1630 muss es ein oder mehrere Ereignisse gegeben haben, die dafür sorgten, dass er den Widerstand gegen die Soldateska organisiert.

03. Februar 1630

Überfall auf Kornett Georg Bohle am 3. Februar 1630

Der Tod von Georg Bohle durch Schüssen von Kresse und seinen Männern ist die erste dokumentierte Tat von Kresse. Es ist daher unklar, wann genau der Widerstand begann und ob es eine Art Erweckungserlebnis gab. In den Sagen wird immer wieder von Übergriffen auf seine Braut und sein Elternhaus berichtet – nachgewiesen werden konnte dies aber bisher nicht.

1638

Ein eigener Hof in Hirschbach

Laut Schulmeister Thalmann aus Döhlen ist in diesem Jahr Kresse das Gut eines Onkels in Hirschbach „zugefallen“.2 Das mag bedeuten, dass er es erbte oder aber aus Altergründen übernahm. Das war damit durchaus üblich: Obwohl die Menschen oft ein hohes Alter erreichen, zwingen die körperlichen Folgen harter Arbeit meist um das 70. Lebensjahr zur Übergabe von Hof oder Geschäft. Dieser Ruhestand wird jedoch häufig durch Erbstreitigkeiten und Undankbarkeit der Nachkommen getrübt. Traditionell übernimmt nach dem Prinzip des Bauernminorats der jüngste Sohn das ungeteilte Gut und entschädigt seine Geschwister, wobei ihm das Gesetz einen deutlichen finanziellen Vorteil verschafft. Trotz des ursprünglichen Ziels, die Höfe als geschlossene Einheiten zu erhalten, führte die Praxis über die Generationen hinweg zu einer zunehmenden Zersplitterung des Grundbesitzes in immer kleinere Parzellen3. Max Schulze berichtet, dass Kresse das Gut auch bewirtschaftete (dazu gibt es auch eine Erzählung von Kresse in Hirschbach). Im Kirchenbuch von Hirschbach (Langenwetzendorf) gibt es aber weder Einträge für die Taufe oder den Tod der Tochter noch für den Tod von Anna Pissel. Das könnte darauf hindeuten, dass die Familie nach dem Tod von Georg Kresse den Hof schnell wieder verlassen hat.

20. November 1638

Heirat

Georg Kresse heiratet am 20. November 1638 Anna Pissel aus Piesegitz (Tochter des Müllers Philipp Pissel). Möglicherweise sorgte der Landbesitz in Hirschbach dafür, dass die neuen Eheleute diesen Schritt gingen. Auch dieses Dokument wirft aber Fragen auf, denn der Eintrag von 1638 (der letzte) wirkt wie nachträglich hinzugefügt und in den sonst freien Raum zum nächsten Jahr gequetscht4. Mehr dazu: Die Heirat von Georg Kresse

1639

Geburt einer Tochter

In diesem Jahr wird das einzige Kind von Georg Kresse geboren: seine Tochter Magdalena. Im Kirchenbuch von Döhlen fehlen die Geburten der Jahre 1628 bis 1665, daher ist unklar, ob die Geburt dort stattfand.Ein genaues Datum für die Geburt ist aus diesem Grund nicht bekannt. Magdalena stirbt auch bereits 1644 – auch dafür fehlen Datum und weitere Informationen (er gibt aber zumindest einen Hinweis im Kirchenbuch von Döhlen zum Jahr).

01.November 1641

Tod in Auma

Georg Kresse wurde in Auma von den Hatzfeldischen Reitern im oberen Gasthof überrascht und erschossen. Die tödliche Kugel soll noch Jahre später in der Wand zu sehen gewesen sein.1790 brannte der Gasthof allerdings ab und damit auch der Hinweis auf den Tod von Kresse. Kresse wurde in Auma begraben. Von seinem Grab gibt es aber ebenfalls keine Spuren mehr.

VIDEO Seminararbeit zum Leben von Georg Kresse

  1. In anderen Quellen wird der Name der Mutter mit Elisabeth angegeben. Wir verlassen uns an der Stelle auf die Eintragung im Kirchenbuch von Döhlen. Dort ist die Mutter als Katharina erwähnt (gestorben 1645). ↩︎
  2. Es gibt keine originalen Dokumente zu dieser Übernahme und Thalmann wurden durch Otto Behr viele Zitate in den Mund gelegt. Daher ist offen, wie zuverlässig die Angaben zum Hof in Hirschbach sind. ↩︎
  3. Brückner: Landeskunde Reuß jünger Linie, Seite 193f ↩︎
  4. Es ist nicht ganz klar, ob die Heirat vor oder nach der Übernahme des Hofes war. Ich habe sie hier danach eingeordnet, weil sie im November stattfand und daher spät im Jahr. ↩︎