Kresse-Höhle und Kresse-Lager

Kresse-Höhle (nach Trebke, AI nachbearbeitet)

Kresse-Höhle und Kresse-Stuben

Unter dem Namen Kresse-Höhle und Kresse-Stuben existieren bis Anfang des 20. Jahrhunderts zwei Höhlen, die angeblich als Versteck und als Hauptquartier von Georg Kresse und seinen Männern gedient haben sollen. Beiden Höhlen befanden sich im Felsen am linken Ufer der Triebes im Bereich zwischen der Lochmühle und der Ungnade. Vom Aussichtspunkt der Ruine Reichenfels hat man heute noch einen guten Ausblick auf den Bereich, in dem sich beide Höhlen befunden haben.

Die Bezeichnung ist dabei nicht ganz konsistent und wechselt je nach Publikation und Autor. Sicher ist, dass ca. 100 Meter flussabwärts hinter der Lochmühle ein Bergloch zu finden war. Dieses war wohl mittelalterlicher Stollen, wobei offen bleibt, von wem er gemutet wurde und nach was man dort schürfte. In der Landeskunde des nördlichen Vogtlandes1 ist von Braunsteinabbau im 18. Jahrhundert in diesem Bereich die Rede. Dann wäre der Stollen deutlich jünger als Kresse und hätte mit dem Bauerngeneral wenig zu tun. Trebke2 bezeichnet diesen Stollen als Kressehöhle, bei Otto Behr3 und Max Schulze4 hat dieses Bergloch dagegen keinen Namen.

Noch weiter flussabwärts ( 200 Schritte nach Max Schulze) befindet sich eine weitere Höhle, wobei Trebke eher davon schreibt, dass es sich um einen Hohlraum handelte, der von Diabasblöcken gebildet wurde. Er bezeichnet diese als Kresse-Stuben. Otto Behr dagegen beschreibt diesen Hohlraum als Kressehöhle. Sicher dagegen sind sich beide Heimatforscher, dass es sich dabei um den echten Lagerplatz von Kresse handelt hat.

Kresse-Höhle (nach Trebke, AI nachbearbeitet)

Die Kressestuben war etwa 20m2 groß und ca. 30 Schritte lang. Man musste sich bücken, um in die Höhle zu gelangen und um 1910 war der Eingang bereits fast komplett verschüttet. Otto Behr berichtet von Resten einer Feuerstelle in der Höhle und dazu eine geschwärzten Decke vom Feuer. Im Jahr 1936 wurde die Höhle nochmal geöffnet und untersucht, um vor der Zerstörung durch den Steinbruch eventuelle Hinweise zu sicher. Es fanden sich aber keine weitere Hinweise auf Kresse oder eine Nutzung der Höhle. Die Brandreste konnte man finden, dazu auch kleinere Vertiefungen mit Wasser, aber sonst nichts, was auf Georg Kresse hindeuten könnte.

Mit den Steinbrucharbeiten ab 1936 in diesem Gebiet wurden beide Höhlen komplett zerstört und der Fels in diesem Bereich abgetragen. Der Berghang ist seit dieser Zeit nicht mehr vorhanden und generell wurde diese Gegend durch die Bergbauarbeiten massiv verändert. Falls es irgendwann Spuren von Georg Kresse in diesem Bereich gegeben hat, wurden sie mit dem Steinbrauch auf jeden Fall komplett zerstört.

Wer heute den Kresse-Wanderweg nutzt, hat also keine Gelegenheit mehr, Kressehöhle und Kressestuben anzuschauen. Man kann nur noch in etwa die Gegend betrachten, in der sich die Männer von Kresse damals aufgehalten haben.

Das Kresse-Lager in der Neuärgernis

Das Kresse-Lager ist ein Flurname im Bereich der Neuärgernis und soll ebenfalls auf Georg-Kresse hindeuten (als Lagerort für ihn und seine Männer). In den Sagen wird es oft als „General Kressens Lager“ aufgeführt. Schriftliche Details dazu fehlen allerdings, daher bleibt offen, warum dieser Bereich den Namen bekommen hat.

Sicher ist dagegen, dass die Herkunft auf Georg Kresse herzuleiten ist, denn in alten Aufzeichnungen lautet der Namen dieses Lagers noch „General Kressens Lager“.5

Das Kresse-Lager befindet sich an der Straße zwischen Zeulenroda und Greiz (B94) etwa 150 Meter hinter dem alten Chausseehaus in Neuärgernis. Max Schulze beschreibt die Lage im Waldstück 35/36 am Weg nach Niederböhmersdorf.

Er berichtet dazu von den sogenannten Lager-Wiesen, die sich ebenfalls bei Neuärgernis rechterhand der Straße nach Triebes befinden und möglicherweise auch ihren Namen von Kresse bekommen haben. Auch hier fehlen aber Belege.

Kressehaus und Hammerschmiede

In den Sagen werden immer wieder auch die Hammerschmiede im Leubatal und das Kressehaus in Hirschbach erwähnt. Der damalige Hammerschmied Wolf Oberländer soll ein Freund von Kresse gewesen sein und nahe der Mühle soll es auch zu Überfällen auf Soldaten durch Kresse gegeben haben. Offizielle Aufzeichnungen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gibt es aber nicht.

Das Kressehaus in Hirschbach wird aufgrund des Namens ebenfalls immer wieder mit Georg Kresse in Verbindung gebracht (vor allem da es Hinweise gibt, dass Kresse eine Hof in Hirschbach übernommen hat). Im Kirchbuch von Hirschbach (in Langenwetzendorf) finden sich aber eher Hinweise, die auf eine Nutzung des Kressehauses durch die Kresse-Familie auf Mehla hindeuten. Georg Kresse scheint daher mit diesem Haus eher wenig zu tun gehabt zu haben.

Leider gibt es darüber hinaus wenige Hinweise in den Flurnamen und in der Geografie des Vogtlandes, die auf Georg Kresse und seine Geschichte Hinweisen. Vor allem in Dörtendorf und Piesegitz fehlen markante Flurstücken mit der Prägung durch Kresse -möglicherweise auch deswegen, weil Kresse eher in anderen Bereich und in anderen Dörfern aktiv war.

Fußnoten

  1. Hempel, Georg: Das nördliche Vogtland um Greiz … Seite 145 ↩︎
  2. Trebge, Friedrich Wilhelm: Einblick Rückblicke – Aus der Geschichte der Stadt Hohenleuben, Seite 217 ↩︎
  3. Behr, Otto: Bunte Bilder aus der Geschichte von Triebes und seiner Umgebung, Triebes 1903 ↩︎
  4. Schulze, Max: Sagen der Pflege Reichenfels und nahe liegender Orte, Seite 134 ↩︎
  5. Fritzsche, Karl: Die älteste, mittlere und neuere Geschichte des Orla-Gaues nach gedruckten und ungedruckten Quellen, Seite 152 ↩︎