Der Bauerngeneral
Georg Kresse
Eine Geschichte aus dem 30jährigen Krieg im Vogtland. Vom Leben und Überlegen in einer Zeit, als staatliche Macht erodierte und das Unglück des Krieges zum Alltag geworden war.

Georg Kresse (1604–1641) gilt als eine der bedeutendsten historischen Gestalten des Thüringer Vogtlands. Sein Leben und sein gewaltsamer Tod während des Dreißigjährigen Krieges bildeten das Fundament für eine umfangreiche Sagenbildung, die ihn bis heute als eine Art regionalen „Robin Hood“ („Robin Hood des Vogtlandes„) im Gedächtnis hält. Besonders in der Region um Zeulenroda-Triebes ist sein Erbe durch Denkmäler, Wanderwege und Namensgebungen öffentlicher Einrichtungen fest verankert.
Geboren in Dörtendorf, wuchs Kresse in einer Zeit auf, in der das Vogtland massiv unter den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges litt. Ab 1628 wurde die Gegend regelmäßig von marodierenden Soldatenscharen verschiedener Kriegsparteien geplündert. In dieser Notlage organisierte Kresse den bäuerlichen Widerstand. Er nutzte seine exzellenten Ortskenntnisse, um mit einer Gruppe Gleichgesinnter aus den dichten Wäldern heraus Hinterhalte zu legen und den Soldaten die geraubte Beute wieder abzujagen. Die Kresse-Familie war dazu weit verzweigt (es gab Kresses in Dörtendorf, Mehla und Hirschberg), so dass er auch gut vernetzt war. Sein Ziel war der Schutz der ländlichen Bevölkerung vor der Willkür und Gewalt der „Soldateska“. Daher wurde später auch der Name Bauerngeneral für Kresse geprägt.
Das Ende von Georg Kresse ist historisch dokumentiert: Am 1. November 1641 wurde er im oberen Gasthaus in Auma von hatzfeldischen Reitern überrascht und erschossen.
Georg Kresse im aktuellen Vogtland
Wer sich heute auf die Spuren von Georg Kresse begibt, findet im thüringischen Vogtland eine lebendige Erinnerungskultur, die den „Bauerngeneral“ vor allem rund um seinen Geburts- und Sterbeort ehrt. Ein zentraler Anlaufpunkt ist das Dorf Dörtendorf, in dem Kresse aufwuchs und 1641 sein Ende fand. Dort erinnert ein Gedenkstein an den Widerstandskämpfer, und der örtliche Heimatverein pflegt das Andenken an den Bauerngeneral.
Ein wesentlicher Teil der regionalen Identität ist der ca. 38 Kilometer lange Georg-Kresse-Wanderweg. Dieser Rundweg führt Interessierte zu den historisch bedeutsamen Schauplätzen, darunter die Stadt Auma, in der Kresse starb. Der Weg verbindet zudem Orte wie die Kressehöhle im Triebestal, die dem Volkshelden der Sage nach als taktisches Versteck vor den kaiserlichen Truppen diente, und führt zur Burgruine Reichenfels bei Hohenleuben, in deren Museum weitere Hintergründe zur Geschichte der Bauernkriege und der Person Kresse ausgestellt sind.
Auch im Alltag der Region bleibt sein Name präsent: In Triebes trägt die staatliche Regelschule seinen Namen, was zeigt, dass Kresse nicht nur als Sagengestalt, sondern als geschichtliches Vorbild für Zivilcourage und Heimatliebe verstanden wird. Wer die Region besucht, begegnet somit einer Mischung aus historisch belegbaren Gedenkstätten und sagenumwobenen Naturdenkmälern, die das Bild eines Mannes bewahren, der sich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges schützend vor die Landbevölkerung stellte.
Nicht zuletzt gibt es im Museum Reichenfels interessante Hinweise zu seinem Leben und Wirken – unter anderem findet man dort auch die Auszüge aus dem Kirchenbuch Döhlen zu seiner Taufe und seiner Hochzeit.

Die frühesten Erwähnungen von Georg Kresse
Vor allem der Tod von Georg Kresse wird in den regionalen Kalendern und ersten Zeitungen gerne erwähnt. Daneben sind es dann später vor allem die Volkssagen, die aufgeschrieben werden. Erste Nachrichten über Georg Kresse finden sich:
- Abraham Seidel, Chronik der Stadt Neustadt 1656,
- Grünler, Chronologische Nachrichten von Triptis, 1671,
- In der Topographie der Pflege Reichenfels 1827, S. 154,
- Börner, Sagen des Orlagaues. Altenburg 1838, S. 93,
- Im Sächsischen Volkskalender von Nieritz Jahrg. 1846,
- Fritsche, Geschichte des Orlagaues. Saalfeld 1847,
Die ersten öffentlichen Hinweise auf Georg Kresse und sein Handeln sind also bereits wenige Jahre nach seinem Tod in der Gegend aufgetaucht.
Viele Spuren zum Bauerngeneral sind mittlerweile verschwunden. Man könnte meinen, die Zeit hätte versucht, die Hinweise auf Georg Kresse zu tilgen. Sein Elternhaus ist abgerissen, seit Tochter früh gestorben. Die Kressehöhle wurde durch Steinbrucharbeiten gesprengt. Die Mühle, aus der seine Frau stammte, wurde beim Bau der Weida-Talsperre überflutet und der Gasthof, in dem er erschossen wurde, brannte 1790 beim Großbrand in Auma mit ab und wurde nicht wieder errichtet. Sein Grab in Auma ist ebenfalls nicht mehr vorhanden. Wenig ist also übrig vom Leben von Georg Kresse.
Das Leben von Georg Kresse
Es gibt nur wenige Dokumente, die das Leben von Kresse beleuchten und diese sind meistens auch nur sehr verkürzt oder unvollständig. Nachweisbar sind folgende Eckpunkte in seinem Leben:
- geboren 1604 in Dörtendorf
- Überfall auf Kornett Georg Bohle am 3. Februar 1630
- Heirat: 26. November 1638 (Anna Pissel)
- im gleichen Jahr wird die Tochter Magdalene geboren
- gestorben 1. November 1641 in Auma
- 1644:Tochter Magdalene verstirbt
Keine Informationen gibt es dagegen zu seiner Jugend und seinen Erlebnissen im Krieg, die ihn zum Widerstand gegen die Soldaten führten. Die meisten Beschreiben dazu sind entweder Sagen oder Erzählungen und basieren nicht auf dokumentierten Episoden.
Mehr Details und Informationen zu seinem Leben gibt es in der Biografie von Georg Kresse.
Jahre ohne Gefangennahme
Georg Kresse schaffte es viele Jahre lang, sich der Gefangennahme durch die Landesherren zu entziehen, obwohl vor allem nach den Überfällen auf hochrangige Militär der Ermittlungsdruck durch die Soldateska sehr groß war. Wie genau es Kresse gelang, in all diesen Jahren unentdeckt zu bleiben, ist nicht ganz sicher, aber es gibt einige Faktoren, die dies begünstigt haben.
Zum Einen war die Region damals Grenzland und die Dreiherrensteine bei Reichenfels erinnern heute noch daran, dass die Fürstentümer Reuß jüngere Linie, Reuß ältere Linie und Kursachen hier aneinandergrenzten. Es war daher recht einfach, das jeweilige Fürstentum zu wechseln um sich eine aktuellen Verfolgung zu entziehen. Daneben bedeutetet das Dreißigjährige Krieg auch eine massive Erosion staatlicher Macht. Landesfürsten und Gutsbesitzer hatten selbst genug damit zu tun, ihr Hab und Gut zu schützen. Für die Strafverfolgung blieb daher wohl wenig Zeit (wahrscheinlich auch, weil Kresse sich nicht mit den Gutsherren vor Ort anlegte, sondern vor allem die Soldaten als Ziel wählte).
Ein dritter Punkt: Kresse war für die Landesherren wohl durchaus auch als gute Ausrede von Nutzen, wenn es darum ging, die Soldateska zu besänftigen, wenn die eigenen Bauern sich wieder gegen Plünderungen und Gewalt gewehrt hatten. Dann konnte man es leicht auf Kresse schieben und musste keine Repressionen gegen die eigenen Untertanen fürchten. Der Ermittlungseifer der Landesherren gegenüber Georg Kresse war also wohl eher gering ausgeprägt. Eventuell erklärt das auch, warum verschiedene Orte mit seinem Namen verbunden wurden. Die Dörtendorfer erzählten den Soldaten, dass Kresse bestimmt aus Hirschbach wäre, in Pöllwitz nannte man ihn eher einen Dörtendorfer und wenn gar nichts ging, wurde als Heimatort Wöhlsdorf genannt – alles nur um zu beweisen, dass man selbst mit Kresse nicht zu tun hatte und dieser wo anders her kam.
Die Sagen und Geschichten rund um Georg Kresse
Die Erzählungen rund um Georg Kresse wurden wohl nach seinem Tod 1641 vor allem mündlich weiter gegeben und erst im 19. Jahrhundert durch die Romantik und das Interesse an nationaler Identität wurden sie – wie viele andere Geschichten auch – aufgeschrieben und damit erhalten.
Vor allem Julius Schmidt und Ludwig Bechstein haben dafür gesorgt, dass die Erzählungen rund um Georg Kresse einen Platz in der Thüringer Sagenlandschaft bekommen haben. Im 20. Jahrhundert erfolgte dann zunehmen die politische Vereinnahmung von Kresse. Seine Geschichte diente als Projektionsfläche für die unterschiedlichen Weltanschauungen und wurde entsprechend weiter erzählt.
Den Überblick über die Erzählungen gibt es hier: Die Volkssagen rund um Georg Kresse
Offene Fragen und Fehlstellen beim Bauerngeneral
Die historischen Hinweise auf Georg Kresse und sein Wirken sind vergleichsweise wenig. Die historische Person kann zwar nachgewiesen werden, aber vom Wirken als Bauerngeneral gibt es kaum belastbare Dokumente. Die Verbindung der historischen Person Georg Kresse zum Wirken als Widerstandskämpfer im Dreißigjährigen Krieg ist daher nur schwer zu belegen.
Dazu fehlen Hinweise auf die Familie Kresse nach dem Tod. Selbst der Hof in Hirschbach ist kaum belegt und in den dortigen Kirchenbüchern nicht zu finden (dafür aber andere Kresse-Angehörige).
Spannend ist auch die Betrachtung der Einträge in den Kirchenbüchern von Döhlen zu Kresse. Diese sind ungewöhnlich knapp und wirken teilweise nachgetragen.
Mehr Details und Informationen zu seinem Leben gibt es in der Biografie von Georg Kresse.

Mehr zu Georg Kresse erfahren
Die wichtigsten Anlaufstellen rund um Georg Kresse und seiner Geschichte sind heute das Museum in Reichenfels und der Heimatverein „Georg Kresse“ direkt in Dörtendorf.
Im Museum Reichenfels gibt es eine Sammlung der Sagen des Vogtlandes unter anderem auch mit den Erzählungen zu Georg Kresse und weiteren Hinweisen auf sein Leben. Die neue Webseite mit den Öffnungszeiten ist hier zu finden: https://www.museum-reichenfels.de/
In Dörtendorf gibt es neben dem Heimatverein, der das Andenken an Georg Kresse wach halten möchte, auch den Gedenkstein an Kresse.
Georg Kresse im Fernsehen
Anfang der 1980er Jahre schuf das Fernsehen der DDR mit der siebenteiligen Serie „Rächer, Retter und Rapiere“ ein eindrucksvolles historisches Panorama, das die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und den unbeugsamen Geist des bäuerlichen Widerstands thematisiert. Unter der Regie von Andrzej Konic entstand ein Werk, das nicht nur durch seine spannende Handlung, sondern auch durch eine hochkarätige Besetzung besticht. Damit gibt es eine filmische Umsetzung der Geschichten rund um Georg Kresse.
Historischer Hintergrund und Handlung
Die Geschichte setzt im Jahr 1629 an. Während weite Teile der deutschen Lande bereits seit über einem Jahrzehnt unter dem Krieg leiden, erreichte das Grauen nun auch das mitteldeutsche Vogtland. Das Gebiet um Reichenfels wird zum Aufmarschgebiet der kaiserlichen Truppen Wallensteins. Doch die Konfession der Soldaten spielt für die Leidtragenden kaum eine Rolle: Ob kaiserlich-habsburgisch oder später schwedisch – jede Armee plündert die Vorräte der Bauern und lässt Gewalt und Zerstörung zurück.
Im Zentrum steht der Bauernsohn Georg Kresse, verkörpert von Walter Plathe. Kresse ist kein geborener Krieger, doch die Willkür der Besatzer und die Grausamkeit des lokalen Burgherrn, Heinrich von Müffling (gespielt von einem gewohnt diabolischen Rolf Hoppe), lassen ihm keine Wahl. Gemeinsam mit seinen Freunden Thomas und Veit schlägt er sein Lager in den Wäldern nahe der Burg Reichenfels auf. Von diesem Versteck aus organisiert er den Widerstand der „einfachen Leute“. Kresse wird zum „Bauerngeneral“, einem Hoffnungsträger, der sich gegen jede Form der Unterdrückung stellt – egal, unter welcher Flagge sie daherkommt.
Produktion und Besetzung
Das Drehbuchduo Otto Bonhoff und Herbert Schauer bewies erneut sein Gespür für historische Stoffe, die menschliche Schicksale in den Fokus rücken. Die visuelle Umsetzung profitierte erheblich vom Szenenbild Christian Neugebauers und den authentischen Kostümen von Ute Roßberg, während die Kameraarbeit von Helmut Borkmann die düstere Atmosphäre der Zeit einfing. Besonders hervorzuheben ist das Ensemble, das die Crème de la Crème der damaligen Schauspielriege vereinte:
- Walter Plathe als charismatischer Anführer Georg Kresse.
- Rolf Hoppe als der skrupellose Gegenspieler von Müffling.
- Gunter Schoß als Mathias Birnbaum.
- Barbara Brylska als Sybilla (synchronisiert von Marita Böhme).
- In weiteren Rollen glänzten Stars wie Lissy Tempelhof, Arno Wyzniewski, Helmut Schreiber und Leon Niemczyk.
Ausstrahlung und Rezeption
Die Serie feierte ihre Premiere im Januar und Februar 1982 im ersten Programm des DDR-Fernsehens und wurde aufgrund des großen Erfolgs bereits 1985 wiederholt.
Interessanterweise fand das Werk auch den Weg über die innerdeutsche Grenze: Im Sommer 1982 strahlte das ZDF die Serie unter dem alternativen Titel „Der Bauerngeneral“ aus. Damit wurde die Geschichte des vogtländischen Volkshelden einem gesamtdeutschen Publikum zugänglich gemacht und festigte den Ruf der DDR-Produktionen für hochwertige historische Abenteuerserien.
„Rächer, Retter und Rapiere“ bleibt ein wichtiges Dokument der Fernsehgeschichte, das zeigt, wie aus der Not heraus ein Held geboren wird, der sich gegen die Übermacht seiner Zeit stellt.
Steckbrief zur Serie
- Hauptdarsteller: Walter Plathe, Michael Narloch, Eberhard Kirchberg, Rolf Hoppe, Barbara Brylska, Gunter Schoß u.a.
- Titel: Rächer, Retter und Rapiere
- Genre: Historien-Abenteuer / Drama
- Folgen: 7
- Erstausstrahlung (DDR): Januar/Februar 1982
- Regie: Andrzej Konic
- Musik: Horst Krüger