
Der Namen Georg Kresse wird heute vielfach zusammen mit der Bezeichnung Bauerngeneral erwähnt und diese Bezeichnung hat wohl einiges dazu beigetragen, die Legende rund um Georg Kresse zu befeuern. Gleichzeitig dürfte diese Bezeichnung aber eine deutliche Überhöhung sein, denn Kresse führte keine Armee und befehligte auch keine größeren Truppenkontingente im 30jährigen Krieg. In den Quellen ist von 12 bis maximal 20 Mann die Rede, die sich um ihn gescharrt hatten – wahrscheinlich waren es sogar noch weniger wenn man die Größe der Kressehöhle (ca.4×5 Meter) bedenkt. Es war also eher ein kleiner Haufen von Bauern, die rund um Kresse Widerstand gegen die Soldateska leisteten.
Auch vom Ansatz her war Kresse kein Befehlshaber eine Armee gewesen, denn es ging ihn in der Regel nicht darum, gehen die durchziehenden Heere (egal welcher Seite) anzutreten, sondern Ziel war es eher, der Soldateska aus dem Weg zu gehen und die Bauerndörfer zu warnen, wenn Truppen im Anmarsch waren. Größere Schlachten sind daher nicht überliefert und selbst die Überfällen nicht immer wirklich nachweisbar.
Aus dem Wenigen, was zu seinem Wirken vorhanden ist, lässt sich dazu festhalten, das es Kresse wohl nicht darum ging, die Obrigkeit zu bekämpfen oder die Reste des Feudalsystems zu beseitigen. Zu Zeiten der DDR wurde ihm dies gerne nahe gelegt, aber konkrete Taten in diesem Bereich sind nicht bekannt. Kresse übernahm wohl eher eine Funktion, die damals die Guts- und Landesherren nicht mehr ausführen konnten: den Schutz der Untertanen.
Vieles zu seiner Bezeichnung bleibt aber im Unklaren. Konkret fehlt es aktuell vor allem an der Zuordnung von allem, was Georg Kresse als Bauerngeneral auszeichnet. Es gibt bis auf einen Bericht keine offiziellen Akten zu seinen Taten und daher bleibt offen, was genau Kresse zu seiner Zeit geleistet hat und was ihn nur zugeschrieben wurde. Sicher ist aber, dass sein Wirken bereits zu Lebzeiten so intensiv gewesen sein muss, dass die Bauern seinen Namen gekannt haben und dieser auch weiter getragen wurde.
Die erste Erwähnung der Bezeichnung Generel in Zusammenhang mit Georg Kresse dürfte auf Ludwig Bechstein im Jahr 1846 zurückgehen. Im Sächsichen Volkskalender aus diesem Jahr hat er in der Sage rund um Kresse auch den Begriff „General Kresses Lager“ verwendet. Da Bechstein vor allem vorhanden Sagen niedergeschrieben hat, kann man davon ausgehen, dass dieser Begriff damals schon in der mündlichen Überlieferung vorhanden war.1
Die Bezeichnung Bauerngeneral selbst ist neuer und stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert. Besonders bekannt wurde sie, weil Otto Behr in seinem Buch über Kresse diese Bezeichnung als Überschrift wählte.2 Bei Schauer und Bonhoff wurde diese Bezeichnung dann erneut aufgegriffen und fand auf diese Weise in der DDR Verbreitung3.
- Otto Behr legt in seinem Buch „Georg Kresse, der Bauerngeneral“ dem Schulmeister Thalmann aus Döhlen einen Auspruch mit dem Begriff General in den Mund. Es gibt aber keine Quellen dafür und Thalmann war zu der Zeit, als dieser Ausspruch getätige worden sein soll, kein Schulmeister in Döhlen mehr. Es dürfte sich also um eine literatische Erfindung handeln. ↩︎
- Behr, Otto: Georg Kresse, der Bauerngeneral. ↩︎
- Schauer, Herbert und Bonhoff, Otto: Rächer, Retter und Rapiere. Abenteuerroman um den Bauerngeneral Georg Kresse. ↩︎
